Antwortschreiben der OB auf Offenen Brief und Baumaßnahmen auf der B 6

Es gibt, wie so oft im richtigen Leben, auch bezüglich der Verkehrssituation auf der alten B6 ab BAB-Anschluss landwärts gute und schlechte Nachrichten.

Die gute Nachricht:

Auf den Offenen Brief vom 1. September 2010 an unsere Oberbürgermeisterin Frau Orosz, in dem die Bürgerinitiative im Zusammenhang mit der Unterschriftenübergabe noch einmal ihre Forderungen für eine Verbesserung der Verkehrssituation an der B 6 von Kemnitz bis Niederwartha zusammenfasste, erhielten wir – erstaunlich schnell – am 27.09.2010 eine Antwort (siehe Abb.).20101201-offener_brief_antwort_von_OB

Sowohl die umgehende Antwort, als auch die Versicherung der OB: „… Ihr Angebot zur Zusammenarbeit nehme ich gern an. …“ machte uns Mut. Es war uns ebenso bekannt, dass im interfraktionellen Antrag zur B 6 der 30.09.2010 als Termin für einen Maßnahmekatalog und dessen finanzielle Bewertung vom Stadtrat festgeschrieben wurde und dass zudem Anfang November die entsprechenden Ausschüsse des Stadtrates tagen.

Das waren unsere Gründe, die Verantwortlichen der Stadt, Herrn Bürgermeister Marx, Herrn Koettnitz vom Straßen- und Tiefbauamt und Herrn Dr. Mohaupt vom Stadtentwicklungsamt, sowie Vertreter der Fraktionen, die unser Anliegen mit dem interfraktionellen Antrag unterstützten, zum 02.11.2010 zu einem Treffen, ganz im Sinne des Schreibens der Oberbürgermeisterin, einzuladen.

Wie Sie sicher ahnen, kommt nun die schlechte Nachricht:

Die Stadtverwaltung erschien trotz Vorabsprachen nicht zum Treffen. Die Vertreter der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und Die Linke, ein Vertreter des Ortschaftsrates Cossebaude und vier MitstreiterInnen der Bürgerinitiative warteten vergebens auf die „Zusammenarbeit“. Dieses Verhalten hat uns sehr unrühmlich an die Veranstaltung im Bürgersaal Cossebaude am 25. Januar erinnert. Trotzdem, wir wollen nicht nur unserem Ärger Luft machen. Als Cossebauder Bürger haben wir schon bemerkt, dass, abgesehen von der Straßenbaustelle am neuen Feuerwehrhaus, auch an den Kreuzungen „Grüner Weg“ und „Am Urnenfeld“ gebaut wurde. Mindestens am Grünen Weg sind Schleifen in die Straße gelegt worden: Befährt ein Fahrzeug die Schleife in der Nebenstraße (hier „Grüner Weg“), schaltet das bisher ausschließlich als Fußgängerampel genutzte Lichtsignal, das allerdings nur an einer Kreuzungsseite vorhanden ist, auf „Rot“ in der Hauptrichtung. Vorausgesetzt die Verkehrsteilnehmer auf der Hauptrichtung, die sich der Kreuzung von der Fußgängerüberweg abgewandten Seite nähern, reagieren noch rechtzeitig auf das Zusatzschild „Bei Rot hier halten“ kann der Verkehr aus der Nebenrichtung sicher in die B 6 einbiegen.

Zweifellos ist das gegenüber der bisherigen Situation ein erheblicher Fortschritt.

Zu hoffen ist nur, dass sich diese Lösungen nicht als Alibiaktivitäten bei der Brückenöffnung in 2011 herausstellen. So enthält bekanntlich der Stadtrats beschluss A0177/10 vom 02.09.2010 noch eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen, die bis zur Brückenöffnung auf ihre Realisierung warten. Wir haben einmal nachgerechnet:

Es gibt landwärts der Autobahnanbindung „Altstadt“ relativ aktuelle Werte aus folgenden zwei Verkehrszählungen:

  • A) vom 22.10.2009 „Am Urnenfeld“, gezählt wurden 18.080 Fahrzeuge, davon 1.300 Lastzüge, LKWs oder Busse;
  • B) vom 20.05.2010 an der „Hauptstraße“, gezählt wurden 10.540 Fahrzeuge, davon 10,1% Lastzüge, LKWs oder Busse (also 1.065 größere Fahrzeuge).

Aus A) und B), sowie mit Blick auf anderes uns zur Verfügung stehendes Zahlenmaterial folgt, dass wenigstens 1.000 von diesen 1.300 Lastzügen, LKWs  und Bussen, also etwa 77% dieser „Großfahrzeuge“ für unsere Ortschaften Durchgangsverkehr sind. Auf Grund der „hinkenden“ Vergleichbarkeit der Zahlen sei eine gewisse Fehlerquote eingeräumt, aber dies gilt ja zugegebenermaßen ebenso für die, sicher mit genaueren Verfahren ermittelten, Verkehrsprognosewerten, die Herr Wrohsmann (STBA MEI-DD) am 31.05.2010 im Bürgersaal Cossebaude vorstellte.

So wird erwartet, dass in 2012 von der Niederwarthaer Brücke etwa 11.000 Fahrzeuge stadtwärts abfließen. Geht man nun davon aus, dass sich darunter nur 10% „Großfahrzeuge“ befinden und davon ebenfalls 77% (wenn es denn reicht) potentieller Durchgangsverkehr sind, werden unsere Ortschaften nicht mehr mit „nur“ rund 1.000, sondern dann mit etwa 1.850 durchfahrenden „Großfahrzeugen“ belastet. Dies ist nun aber wirklich für die Anwohner in den Gebieten, in denen empfohlene Lärmgrenzen schon jetzt überschritten sind, einfach nicht mehr hinnehmbar. Der Lärmbelastungsrichtwert liegt für Gebiete  mit vorwiegender Wohnbebauung, wie das an der B 6 in Cossebaude der Fall ist, bei 56 dB(A). Gemessen wurden in 2002 an der Dresdner Straße zwischen Schulstraße und Brauergasse aber 69 dB(A). Der aktuelle Themenstadtplan „Straßenverkehrslärm“ auf www.dresden.de schweigt sich hierzu vorsichtshalber gänzlich aus und endet dezent einige Meter nach der Einmündung „Am Urnenfeld“. (Mittlerweile geht die Lärmkarte bis zur Stadtgrenze.) Die BI plädiert nicht nur deshalb im Ortszentrum Cossebaude für eine 30er Zone und Beschränkungen im LKW-Verkehr, stieß aber bisher hierzu bei der Stadt auf taube Ohren. Um die Belastungen für die Bürger auch nach Brückenöffnung in Grenzen zu halten, kommt nun eine besondere Bedeutung einer Tonnagebegrenzung für die Brücke zu.

Angesichts der geschilderten Verhältnisse macht es sicher Sinn, diese Begrenzungsforderung von 12 t auf 7,5 t zu verschärfen.

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Die Bürgerinitiative setzt sich für den Erhalt der Lebensqualität in Cossebaude und den angrenzenden Ortsteilen ein. Die sehen wir durch die für 2011 geplante Öffnung der neuen Autobrücke in Niederwartha bedroht. Deshalb haben wir der Stadtverwaltung Dresden einen Maßnahmenkatalog vorgelegt. Damit sollen die Anwohnerinnen und Anwohner vor der abzusehenden, erheblichen Zunahme des Straßenverkehrs auf der B 6 geschützt werden. Die Situation hinsichtlich Verkehrslärm, Schadstoffen sowie die in Abschnitten der B 6 nicht zufriedenstellende Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer muß verbessert werden.