Kommen jetzt Stolpersteine für Löbtau?

Nachdem gestern im Ortsbeirat auch die Frage aufkam, ob jetzt in Löbtau Stolpersteine verlegt werden, möchte ich kurz auf die Veranstaltung vom Mittwoch in der Hoffnungskirche eingehen.

Das Herbert-Wehner-Bildungswerk hatte zu einer Informations- und Diskussionsrunde mit dem Titel „Stolpersteine für Löbtau – Jüdisches Leben in Dresden“ eingeladen. Frau Eva-Maria Stange (SPD, MdL) hat dies moderiert. Für den Verein Stolpersteine Dresden e.V. hat Frau Susanne Ritschel die Kunstaktion der Stolpersteine und deren Regularien vorgestellt. Frau Nora Goldenbogen von der Jüdischen Gemeinde Dresden hat etwas über die Entwicklung der Jüdischen Gemeinde in Dresden von den 1930er Jahren bis heute erzählt.

Zentrales Thema waren natürlich die Stolpersteine. Frau Ritschel hat die Biografien zweier jüdischer Familien erläutert, für die Ende November, am 25. und 26.11.12 Stolpersteine im Dresdner Westen verlegt werden. Zum einen für die Frau und die zwei Töchter von Max Sachs in der Max-Sachs-Straße 2. Zum anderen für die Familie Steinhardt in der Bernhardstraße 39. Diese hat auf der Kesselsdorfer Straße 17 das Kaufhaus Steinhardt geführt. An dieser Stelle ist heute eine Brache – die sog. „Postwiese“ (Poststraße / Kesselsdorfer Straße).

Ein Stolperstein wird immer nur vor dem letzten, selbst gewählten Wohnsitz verlegt. Die Familie Steinhardt wirkte zwar in Löbtau aber wohnte in der Südvorstadt.

Ausschnitt aus dem Historischen Adressbuch von Dresden 1937

Entsprechend werden dort jetzt auch die Steine verlegt. Der Verein hat einen Enkel der Familie in Amerika ausfindig gemacht. Auch dies ist eine Regel und ein wichtiges Anliegen des Vereins, dass Angehörige eingebunden werden und ihre Zustimmung geben.

Nicht jede Familie und jede Kommune ist begeistert von dieser Aktion. Berühmtestes Beispiel ist die Landeshauptstadt München, die seit 2004 die Verlegung von Stolpersteinen durch einen Beschluss des Stadtrats untersagt hat.

In der Diskussion in der Hoffnungskirche kamen nur positive Stimmen. Der Pfarrer Manzer hat gefragt, ob es denn an bekannten Schicksalen in Löbtau fehlt und angeregt, nachzuforschen, warum – nach seiner Meinung – am Haus Bonhoefferplatz 14 ein Davidstern im Giebel zu sehen ist.

Frau Ritschel erläuterte dann nochmal das Prozedere: ein Schicksal muss bekannt sein und recherchiert werden. Der Verein hilft dann bei der Suche nach und der Kontaktaufnahme mit den Angehörigen und vermittelt auch zwischen Angehörigen, Paten und Spendern.

Es hängt also vom Engagement und den Ideen der aktuellen und ehemaligen Einwohnern von Löbtau ab, ob bald erste Stolpersteine in Löbtau verlegt werden.

Weitere Informationen findet man u.a. hier:

 

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Grüner Ortsbeirat, Software-Entwickler, Löbtauer seit 1998...