Monatsarchiv: Dezember 2013

Liest noch jemand die „Gelben Seiten“? Offenbar nicht in Löbtau.

Vor ungefähr drei Tagen hat der SachsenVerlag den Stadtteil (Löbtau-Süd) mit frischen Telefonbüchern und den Gelben Seiten beglückt. Seitdem liegen sie da. Unter Briefkästen, vor Haustüren oder… in der Blauen Tonne. Das Interesse scheint mehr als mäßig zu sein, aber warum kippt man dann ungefragt soviel Exemplare vor die Haustüren?

Wird das in anderen Stadtteilen auch so gemacht?

Gut, die Telekom (bzw. DeTeMedien) zusammen mit den Telefonbuchverlagen erfüllen nur die „Universaldienstleistung„, wie sie in § 78 Abs. 2 Nr. 2  Telekommunikationsgesetzes (TKG) geregelt ist. Demnach muss mindestens ein gedrucktes und jährlich aktualisiertes Verzeichnis zur Verfügung stehen.

Zu alten Bundespost-Zeiten hat man sich ein Telefonbuch mit einer persönlichen Benachrichtigungskarte in der Postfiliale abholen können. Jeder Telefonanschlußinhaber durfte sich ein Exemplar kostenlos abholen.

Irgendwann hat man das vereinfacht. Da wurde dann jeder Haushalt informiert, dass er sich die Exemplare abholen kann. Die Telefonbücher lagen dann in der Post und niemand hat noch kontrolliert ob man eins oder zwei nimmt.

Da es immer weniger Postfilialen gibt, ist man dann die letzten Jahre dazu übergegangen, die Telefonbücher palettenweise vor den Supermärkten abzustellen. Einkaufen muss ja jeder, so die Idee.

Ich kann mir vorstellen, dass trotzdem die Auflage stark eingebrochen ist. Wer schaut heute noch ins gedruckte Telefonbuch?

Die Verlage leben nicht von den gedruckten Telefonnummern sondern von der Werbung, die im Telefonbuch oder in den  Gelben Seiten abgedruckt werden. Und für Werbung zählt die Auflage. Also druckt man viel zu viel und stellt die Bücher ungefragt vor das Haus plus noch ein, zwei Exemplare als Reserve. Toll! Veolia wirds freuen, die eingeschweißten Buchpakete auspacken zu dürfen. Oder ist das was für die Dreck-Weg-App? Die Bücher liegen ja zum Teil auch auf öffentlicher Fläche.

Achja, Internet. Das hat man jahrelang nicht verstanden (Man kann es nicht drucken! Und da kann ja jeder reinschauen!) und *schnarch* völlig verschlafen. Ein bisschen ist man aufgewacht und fängt jetzt an, seine kostbaren Daten besser darzustellen und mit Zusatzinformationen wie Öffnungszeiten und Bewertungen anzureichern. Das machen zwar auch dutzende, andere Portale schon länger und besser aber immerhin.

Tipp: Man kann sich im gedruckten Verzeichnis streichen lassen und trotzdem in der elektronischen Auskunft auffindbar zu sein.

Mehr oder weniger Autos in Dresden? – Kleine Nachhilfe in Verkehrsplanung für die FDP

Heute flatterte mir der Offene Brief von Professor Dr.-Ing. Gerd-Axel Ahrens vom Lehrstuhl für Verkehrs- und Infrastrukturplanung der TU-Dresden an die Stadtratsfraktion der FDP in mein Postfach.

Oje, schon wieder das alte Streitthema Kfz-Verkehr in der Stadt…

Aber nein, es macht wirklich Spaß, die acht Seiten zu lesen! Professor Ahrens fühlte sich von der Äußerung von Holger Zastrow (FDP Stadtrat) offenbar in seiner Wissenschaftsehre gekränkt und sah sich veranlasst, ein paar Zusammenhänge klarzustellen und ein bisschen Nachhilfe zu geben.

Das liest sich prima als kurze Einführung in die Verkehrsplanung und auch in den Dresdner Verkehrsentwicklungsplan 2025plus, der auch schon bei uns im Ortsbeirat Cotta behandelt und positiv verabschiedet wurde.

Zwar wächst Dresden, aber die Zahl der Autos pro 1.000 Einwohner stagniert bei ca. 433 (Stand 2008). Dagegen wuchs die Zahl der Fahrräder pro 1.000 Einwohner von 689 auf 750 (2003 bis 2008). Die Verkehrsplaner gehen auch davon aus, dass die Verkehrsprognose 2025 zu hoch liegt und alle damit begründeten Bauvorhaben zu groß dimensioniert wurden und werden. Eine neue Prognose soll 2014 erarbeitet werden.

Leider bezweifle ich, dass die FDP sich die Inhalte des Offenen Briefes zu eigen macht. Dann müsste sie nämlich zum großen Förderer des Öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs werden, um Platz auf den Straßen zu schaffen. Eine solche 180-Grad-Wendung traue ich den aktuellen Köpfen aber nicht zu.

Vielleicht ist es 2014 aber auch völlig egal, was die FDP denkt?

 

Viel Spaß beim Lesen!