Die Poststraße wird saniert – Mehr Straße – Mehr Parkplätze – Mehr Licht – Weniger Grün

Für die Sanierung der Poststraße ist gestern in der Ortsbeirratssitzung von Frau Häuser (Stadtplanungsamt) und Herrn Eberwein vom beauftragten Planungsbüro die aktuelle Vorplanung vorgestellt worden. Die Waldheimer Straße wurde vom selben Büro geplant und hier startet die Sanierung schon nach Ostern am Di, 22.04.2014. Da sich in der Waldheimer Straße nicht viel ändert und die Bausumme unter einem gewissen Wert bleibt, wurde darüber der Stadtrat nur informiert. Hier bleibt auch die Gasbeleuchtung bestehen.

Die Vorlage für die Poststraße (V2673/13) ist öffentlich und kann inklusive der Lagepläne im Ratsinformationssystem eingesehen werden.

Sehr viel Energie hat man in der Planung aufgewendet, um die Umstellung der Gasbeleuchtung auf elektrischen Betrieb zu rechtfertigen. Es sollen weiter die Löbtau-typischen Leuchten („Kandelaber“) verwendet werden. Diese werden für elektrische Leuchtmittel aufgearbeitet. Ein Modell, welches man z.B. auf der Clara-Zetkin-Straße und am Bonhoefferplatz sehen kann. Dies steht zwar im Widerspruch zu verschiedenen Stadtratsbeschlüssen (z.B. V1204-34-96 und A0632/12 (CDU) und A0840/14 (SPD)), die den Erhalt der historischen Gasbeleuchtung inklusive Gasbetrieb fordern aber im Angesicht der hohen Kosten und der schon lächerlichen Beleuchtungsstärke begrüße ich die Umstellung ausdrücklich.

Auch an die barrierearme Gestaltung der Fußwege hat man gedacht. Hier kam von Betroffenen die Anregung bzw. die Kritik, dass bei der bisherigen Umgestaltung der Fußwege in Löbtau bei den Grundstückseinfahrten das alte Großpflaster verwendet wurde. Das sieht zwar optisch gut aus aber mit dem Rollstuhl hat man ein unnötiges Hindernis. Hier wird jetzt als Kompromiss „geschnittenes Pflaster“ verlegt. Die Oberfläche sollte also halbwegs glatt sein.

 

Dann hören die positiven Punkte schlagartig auf 🙁

 

Die Straße soll auf 5,50 Meter verbreitert werden! Momentan ist die Fahrspur ca. 4 Meter breit. Man geht davon aus, dass der Verkehr so stark ist, dass man zwei Fahrspuren braucht um an jeder Stelle Begegnungen zu ermöglichen. Das hat man anhand der Aktenlage entschieden. Leider hat man sich offenbar nie im „Berufsverkehr“ an die Straße gestellt. Zum Vergleich: Die Clara-Zetkin-Straße (Bus Linie 90, Feuerwehr) hat eine Breite von ca. 6 Metern, die Reisewitzer Straße (Quartierserschließung) hat ca. 7 Meter.

Parkplätze sollen auf jeden Fall nicht wegfallen sondern möglichst neue geschaffen werden. In der Vorzugsvariante sind es dann ca. 112 Parkplätze. Aktuell finden ca. 104 Autos Platz auf dem Gebiet.

Um die Parkplätze, die breite Straße und je zwei Fußwege à 2,50m unterzubringen, wird die komplette Breite genutzt. Damit werden die Grünstreifen vor den Häusern auf der Westseite komplett entfernt. Diese gehören im Gegensatz zu den Gärten auf der Ostseite nicht zu den Flurgrundstücken.

Damit wird aber auch die historische Blickbeziehung vom Bonhoefferplatz Richtung Kesselsdorfer Straße komplett zerstört. Bisher waren die Bäume ein durchgehendes Gestaltungsmerkmal, welches seit den 1990er Jahren zwischen Leumerstraße und Bünauplatz Lücken hatte (Umstellung Gasbetrieb von Stadtgas auf Erdgas…).

Selbstredend müssen die vorhanden 9 Bäume bei diesen Randbedingungen zwischen Schillingplatz und Bünaustraße alle gefällt werden! Unter dem Strich stehen zwar nach der Sanierung deutlich mehr Bäume (55 statt bisher 17) auf der Poststraße und es wird ein Allee-Charakter geben. Wie lange es aber dauert, bis diese Bäumchen wieder eine schattenspendende Wirkung entfalten, sieht man an der Reisewitzer Straße. Die Bäumchen von 2008 sind immer noch ein Witz.

So sehr man sich mit den Autos beschäftigt hat. Fahrradfahrer hat man komplett vergessen. Die Planer denken leider immer noch, dass das teeren von Straßen schon eine Art Radverkehrsförderung ist. Es ist also nicht überlegt worden, wo die Radfahrrouten langführen können und Fahrradbügel sind bisher nicht vorgesehen. Meine Anregung dazu wurde positiv aufgenommen.

 

Unter dem Strich: Eine gut gemeinte Planung, die nicht in den Stadtteil und in die Zeit passt.

 

Die Poststraße wird die letzte Sanierung im Sanierungsgebiet Löbtau sein. Weitere Sanierungen werden zukünftig rein aus Eigenmitteln der Stadt erfolgen müssen. Warum man dazu nicht die wesentlich kaputtere Bünaustraße gewählt hat, bleibt mir nach wie vor ein Rätsel. An der Bünaustraße hat man mit dem „Anlieferverkehr“ für die vier Kitas und der Grundschule ein erhebliches Verkehrsaufkommen. In der Poststraße ist dagegen fast nichts los.

 

Der Ortsbeirat hat übrigens mit großer Mehrheit zugestimmt. Nur wir Grünen waren mit unseren zwei Stimmen dagegen.

 

Links
Update

avatar

Grüner Ortsbeirat, Software-Entwickler, Löbtauer seit 1998...

14 Kommentare

  • avatar Marcus

    „Es ist also nicht überlegt worden, wo die Radfahrrouten langführen können“
    Könntest du das etwas näher erläutern?
    Im Fall der Poststraße sehe ich das asphaltieren der Straße durchaus als ausreichend an. 0,5m breite Schutzstreifen oder ähnlicher Quark bringt nichts. Eine Verbesserung wäre lediglich ein Tempolimit von 30km/h.
    Fehlende Radbügel sind zwar schade, aber wirklichen Bedarf kann ich auf der Poststraße nicht erkennen, lasse mich aber gern eines besseren belehren.

    • Wenn man sich Gedanken über die Verkehrsmenge der Autos macht und sich überlegt, wo Ziel und Quelle ist und wo die Autos entlang fahren, gehört es meiner Meinung nach auch dazu sich zu überlegen, ob was die Radfahrer und Fußgänger wohl so machen werden. Macht die Poststraße z.B. Sinn um von der Clara-Zetkin-Straße Richtung Uni zu radeln oder was auch immer. Daran hat man keinen Gedanken verschwendet.

      Der Asphalt ist gut. Das unterstütze ich. Tempo 30 ist die Poststraße schon und wird sie auch bleiben. Das ganze Quartier ist Tempo 30 Zone, die von der Reisewitzer und der Clara-Zetkin-Straße bis zur Feuerwehr begrenzt wird.

      Radbügel halte ich für wichtig. Das sieht man an der Clara-Zetkin-Straße gut, dass es durchaus Bedarf gibt. Niemand wird sein Rad dauerhaft dort parken. Aber es gibt auch radfahrende Besucher, die das Rad eben nicht durch den Hausflur in den Hinterhof oder Keller schleppen. Für Besucher macht man ja u.a. auch die KFZ-Parkplätze. Jeder Grundstückseigentümer ist verpflichtet eigene Parkplätze zu schaffen bzw. sie nachzuweisen. Nur die restlichen Autos stehen im öffentlichen Raum. Und so ein Bügel kostet nur ein Bruchteil eines Parkplatzes. Bei der Sanierung wird es noch billiger, weil man sowieso die Tiefbauarbeiten macht.

      Andere Städte sind da weiter. Mein Lieblingsbeispiel ist hier Kiel. Mit „Kieler Bügel“ haben die schon vor >10 Jahren ein Stadtweites Fahrradbügelprogramm gestartet. Und die gibt es dann wirklich überall. Ok, Kiel hat einen grottenschlechten Nahverkehr – da „muss“ man Radfahren 😉

      • avatar Marcus

        Danke für die Erklärung, wobei ich mir nicht vorstellen kann, wie das die Planungen verändert hätte, hätte man den Radverkehr berücksichtigt. Mir kommen da hauptsächlich Negativbeispiele in den Sinn (zu schmale, gefährliche hochbordradwege mit unsinniger Linksabbiegerregelung, etc.)

        Dass es schon Tempo-30-Zone ist war mir nicht klar, ich wohne erst seit März hier. Das ist natürlich gut. Gleichzeitig befürchte ich, dass es nach der Sanierung nicht bei den 30km/h bleibt, sondern dass man, wie fast überall in Deutschland, mit 50km/h durch 30er-Zonen rast.
        Hier wäre es wirklich mal an der Zeit, dass man Schwellen auf der Fahrbahn montiert. Das ist meiner Meinung nach das einzig wirksame Mittel zur wirklichen Verkehrsberuhigung.

        Bei den Bügeln sehe ich eher die Hausbesitzer in der Pflicht, aber im Hinblick auf eine hoffentlich positive Entwicklung des Radverkehrs hast du Recht. Beim momentanen Verkehrsaufkommen tun’s allerdings noch die freien Verkehrsschilder. 😉

        • avatar Alexander

          Ich verlange ja keinen Radweg oder ähnliches. Aber ist es zu viel verlangt, wenn man sich bei der Planung überlegt, wer da langfährt und warum und wohin? Man hat sich ja diese Gedanken gemacht. Aber man ging halt nur von Müllautos und Autos aus.

          Von Schwellen ist man in Deutschland aus gutem Grund wieder abgekommen. Das führt meist nur zu mehr Lärm, weil entweder die Autos drüber „humpeln“ oder vorher stark abbremsen und wieder beschleunigen. Man kann den Straßenraum durchaus so gestalten, dass er nicht zum Rasen einlädt. Ob das hier gelingt, bezweifle ich allerdings stark.

          Die Grundstückseigentümer sind verpflichtet, KFZ-Stellplätze auf ihrem Grundstück zu schaffen. Da das aber i.d.R. nicht reicht, gibt es Parkplätze im öffentlichen Straßenraum. Wieso sollte man das nicht auch für Fahrräder machen? Die Grundstückseigentümer dürfen dort allerdings nicht einfach einen Bügel aufstellen. Dafür müssten sie ja Sondernutzungsgebühren zahlen. Das ist tatsächlich eine Aufgabe der Stadt.

          Wenn man sowieso die Straße plant und gerade weiss, wo alle Leitungen liegen, ist auch das Berücksichtigen von Fahrradbügeln nicht so schwer, wie später. Oft liegt irgendwas im Weg und man kann den Meter nicht ausschachten, den das „Fundament“ braucht. Der Gewerbeverein Kesselsdorfer Straße kann davon ein Lied singen.

          Ich hoffe mal, dass das jetzt noch rechtzeitig in die Planung eingeflossen ist. Es klang ja so.

          • avatar Marcus

            Ok, mit den Bügeln hast du mich überzeugt.

            Bzgl. Verkehrsberuhigung bleibe ich bei meiner Meinung. Als funktionierende alternative fällt mir nur ein stationärer Blitzer (unrealistisch, bringt kein Geld, Stop & Go) oder Engstellen, wie auf der Bünaustraße, ein (bei geringem Verkehr wird trotzdem gerast).
            Ich hab die Schwellenlösung in Irland gesehen (in den verkehrsreichen Innenstädten der etwas größeren Städte) und fand das sehr gelungen. Von Lärmbelästigung keine Spur und wenn alle 30m eine Schwelle kommt gibt auch der größte Bleifuß irgendwann auf.
            Davon abgesehen ist es aber gar nicht gewollt, dass sich Autofahrer abseits der Schulen an die Limits halten. Die meisten Schilder sind politisches Blendwerk.

            Wegen der Radfahrrouten/-planung reden wir aber vermutlich aneinander vorbei.
            Ich greife einfach mal dein Beispiel auf. Angenommen, die Planer wären davon ausgegangen, dass die Poststraße als Teilstrecke zur Uni genutzt werden wird (z.B. Kesselsdorfer -> Poststr. (als Alternative zur vielbefahrenen Reisewitzer) -> Würzburger -> Münchner). Welchen sinnvollen baulichen Einfluss hätte das auf die Straße gehabt? Meiner Meinung nach als autoloser Radfahrer: Keinen. Oder geht’s hier nur um diese nutzlosen „Wegweiser“ aller 5km mit Radpiktogramm?

            Bei Fußgängern ist mir das einigermaßen klar. Da wären Zebrastreifen in Höhe von Geschäftshäusern, zur Not auch Bettelampeln, sinnvoll. Sowas fehlt beispielsweise auf der Reisewitzer.

  • avatar J. Schulz

    Ich meine mich zu erinnern, dass Post- und Bünaustraße noch vor 10/15 Jahren Einbahnstraßen waren. Damals war am Schillingplatz noch eine Bushaltestelle. Wenn man das Einbahnstraßenkonzept für die Verkehrsplanung wieder aufgegriffen hätte, wäre vielleicht die Sanierung beider Straßen möglich geworden, würde der Verkehr eventuell schneller Richtung Reisewitzer abziehen und Schulwege sicherer. Ganz zu schweigen von der sinnlosen Verbreiterung einer Nebenstraße für ein paar wenige Parkplätze mehr…

    • Solange dort die 90 (?) und 82 (?) fuhren, waren das Einbahnstraßen. Ich fahre heute noch so, weil das noch so „drin“ ist. Ich war erstaunt, dass es auch ohne geht und deshalb will ich da gar nicht zurück. Aber ich sehe auch keinen Bedarf, sich an jeder Stelle „begegnen“ zu dürfen. Momentan kommen die Autos auch so klar. Und wenn, dann könnte die Bünaustraße diesen Begegnungsverkehr gebrauchen und nicht die Poststraße. In der Bünaustraße ist morgens das völlige Chaos mit den vielen Kitas und der Schule, weil doch eine ganze Reihe der Eltern ihre Kinder per Auto anliefern müssen oder wollen.

  • avatar Uwe

    Nach meiner Ansicht besteht doch kein so großer Bedarf um neue Stellflächen zum Parken in der Poststraße zu schaffen. Der Schaden diese schönen großen Bäume dafür zu opfern ist viel zu groß!
    Wurden andere Möglichkeiten geprüft? Schräges Parken zum Beispiel. Wenn man möchte sind Kompromisse möglich, denn soviel Platz für Fußgänger ist nicht nötig auf dieser Straßenseite.
    Wer ist verantwortlich für eine solch protzige Planung? Hoffentlich ändert sich nun für die Zukunft Dresdens etwas, von der Autofahrer freundlichen Stadt hin zur grünen vernünftigen, mit diesen neuen Verhältnisse im neuen Stadtrat.

    Viele Grüße

    • Hallo Uwe,

      nachdem sich der Kulturausschuss gestern für die Lösung mit elektrischer Beleuchtung ausgesprochen hat, wird heute die Vorlage im Bauausschuss vermutlich beschlossen.

      Varianten hat man durchaus untersucht. In der Vorlage sind ja vier Varianten abgewogen. Meiner Meinung nach aber mit falschen Grundvorraussetzungen (s.o.). Denn auch die Variante 1 (Erhalt der 9 Bäume) geht von einer 6m-breiten Fahrbahn aus, die man einfach nicht braucht. Es staut sich heute schon an der Anton-Weck-Straße (einspurig) und der Schillingstraße (einspurig) im Berufsverkehr. Leider wird so etwas nicht im Zusammenhang betrachtet.

      Viele Grüße

      Alexander

  • Welche Variante wurde denn beschlossen? Es gab ja mehrere mit elektrischer Beleuchtung.

    • Die „Vorzugsvariante“ ist die Kompromissvariante 4 aus den Planungsvarianten 2 und 3, die auch im Ortsbeirat vorgestellt wurde. Daran wurde nichts geändert.

  • avatar Katrin

    Gibt es inzwischen einen Zeitplan für die Umsetzung der beschlossenen Variante? Und was man aus dem Hörensagen vernommen hat: Soll die Poststraße als „Umgehung“ für ein bald als Fußgängerzone genutztes Ende der Kesselsdorfer Str. umgebaut werden?

    • Ich kenne keinen Zeitplan außer der Angabe in der Vorlage, dass es bis 2017 umgesetzt sein muss. Es muss natürlich auch das Geld für den Eigenanteil im kommenden Doppelhaushalt (2015/16) berücksichtigt werden.

      Vorgesehen ist die Poststraße nicht für eine Umgehung des Kesselsdorfer Boulevard. Die Hauptlast des umgeleiteten Verkehrs bekommt ja die Wernerstraße ab. Schon jetzt biegen ja i.d.R. die Autofahrer vor dem zukünftigen Boulevard in die Reisewitzer Straße ab, wenn sie Richtung Plauen / Freital fahren wollen. Das wird auch zukünftig so sein. Die Reisewitzer wird also ihre Verkehrsbelastung behalten – aber laut den Simulationen auch nicht mehr Verkehr bekommen.

      Tatsächlich erwarte ich aber eine Verlagerung des Verkehrs von der Reisewitzer- auf die Poststraße in den Spitzenzeiten morgens und nachmittags. Wenn auch noch die Buslinie 63 über die Reisewitzer fährt (Wunsch der DVB und der CDU), dann steht zu den Zeiten endgültig alles im Stau. Hier „hilft“ der Poststraße nur, dass die Kreuzungen Schillingstraße, Anton-Weck-Straße und Bonhoefferplatz Nadelöhren sind und hoffentlich bleiben werden. Auch sollte dann strikt die Tempo 30-Zone eingehalten werden…

      • Ich denke man muss kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass die Poststraße nach der Sanierung, wie schon erwähnt, als Umgehung der Reisewitzer genutzt werden wird. Zudem mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit als 30km/h.
        Dazu kommt es dann im Berufsverkehr zu einem Rückstau an der Kreuzung zur Mohorner Str., da die Poststraße nicht durchgeht und in Gegenrichtung logischerweise an der Kesselsdorfer.