Radfahrkonzept: Was ist wichtiger – Tourismus oder Alltagsradfahren?

Am 23.03.2017 hat der Stadtrat von Dresden ein Radverkehrskonzept beschlossen. Die Zustimmung war mit 35 ja, 22 nein und 6 Enthaltungen deutlich aber längst nicht so deutlich, wie man sich das bei diesem Thema wünschen würde. Auch im Ortsbeirat Cotta wurde darüber am 05.01.2017 debatiert. Ich war da leider nicht anwesend, aber laut Ratsinformationssystem war man da sogar einstimmig mit 20 Stimmen für das Konzept.

Im August hat die CDU-Fraktion einen Antrag zur Förderung des touristischen Radfahrens eingereicht (A0361/17), der jetzt im November im Ortsbeirat Cotta angekommen ist. Inhalt sind Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept die insbesondere touristischen Hintergrund haben.

Mich hat der Antrag nicht überzeugt und bei der Abstimmung habe ich mich folglich enthalten, obwohl ich mich über jede Förderung des Radverkehrs freue. Die Priorisierung auf touristische Radwege halte ich für falsch. Zudem sind die vorgeschlagenen Maßnahmen zwar alle aus der „Priorität 1“-Liste aber auch relativ teuer (Preiskategorie 3-5) (siehe Radverkehrskonzept Anlage 6, Maßnahmenliste). Wenn Dresden sich zuerst auf diese Projekte konzentriert, bleiben die anderen Maßnahmen möglicherweise liegen. Das Argument, dass man den wirtschaftlichen Faktor des Radfahrens betrachtet hat („Tourismusfaktor“) kann ich nicht folgen. Ich halte das Alltagsradfahren für deutlich wichtiger.

Soll jetzt jede Fraktion Anträge in den Stadtrat einbringen um ihre Vorzugsprojekte im Radfahrkonzept zu priorisieren? Ist das überhaupt notwendig?

Über Antworten würde ich mich freuen 🙂

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Grüner Ortsbeirat, Software-Entwickler, Löbtauer seit 1998...

Ein Kommentar

  • avatar Karla

    Alltagsradler oder Tourismus – das sind zwei Sachen, die ich eigentlich ungern gegeneinander ausspielen würde. Weil sie aber nun aus dem selben (zu kleinen ?) Topf kommen: im Zweifel für die Alltagsradler.
    Es wäre echt toll, wenn der Radverkehr generell eine hohe Priorität in der Verkehrslandschaft bekommen würde – und, nur als Beispiel, Baustellenumleitungen ähnlich wie der Autoverkehr erhalten würde. Auf dem Weg zu einer Stadt, in der wir uns wirklich wohl fühlen und gern vor die Tür treten kann und soll das Rad eine wichtige Rolle spielen. Auf diesem Weg hat Dresden noch einiges vor sich – und dort gibt es dringenden Handlungsbedarf. Und hier möchte ich auch lieber finanzielle Mittel einsetzen. Um den Tourismus mach ich mir da weniger Sorgen, auch weil eine schlechte Radwegqualität an einzelnen Stellen für Touristen hoffentlich gut zu verschmerzen ist.

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