Gestern hat die Stadt in einer Bürger*innen-Informationsveranstaltung im Potthoff-Bau am Fritz-Förster-Platz über den Bau der Campuslinie informiert. Anwesend waren Vertreter*innen der beteiligten Fachämter, der DVB, von Sachsenergie und der beauftragten Baufirmen.
Die Resonanz bei den Bürger*innen war verhalten. Ich hätte deutlich mehr Präsenz-Besucher*innen erwartet, wie bei früheren Veranstaltungen zu dem Thema. Vielleicht haben doch viele Menschen den Livestream genutzt oder schauen ihn nach. Eine Möglichkeit, die es früher nicht gab.
Das Projekt Campuslinie hieß vorher “Stadtbahn 2020”. Ich habe auch noch den Flyer von 2013 auf dem Tisch mit einer möglichen Fertigstellung 2019. Die Diskussionen, Planungen und Finanzierungen dauerten dann doch länger.
Aber ich bin froh, dass es jetzt endlich los geht. Zum einen ist die Bus Linie 61 kein Zustand. Der Bedarf ist mit Bussen einfach nicht attraktiv realisierbar. Zum anderen hat die Nossener Brücke (bzw. die 4 Teil-Brücken) ihr Lebensende erreicht, weshalb die Spuren reduziert und ein Tempolimit von 30 km/h angeordnet wurde.
Livestream
Man kann die ganze Veranstaltung nachschauen. Der Livestream wurde aufgezeichnet und ist online.
Bauablauf und Informationen
Vorbereitende Maßnahmen liefen ja schon seit 2022. Man hat die Oederaner, die Würzburger, die Zwickauer und die Fabrikstraße saniert, weil sie während der Bauarbeiten zeitweise Umleitungsverkehre aufnehmen müssen.
Im Herbst 2025 wurden dann fast alle Bäume auf der Nürnberger Straße gefällt, auch neben der Nossener Brücke wurde Bewuchs entfernt. Seitdem sieht der Straßenzug sehr kahl aus.
Seit 2024 baut man einen Mediendücker um die Fernwärme-Trasse unter die Gleise zu verlegen. Der Tunnel ist fertig und wird zur Zeit ausgerüstet. Im Herbst geht er in Betrieb und ermöglicht dann den Abbau der provisorischen Fernwärmerohre auf der Brücke.
Ab Juni 2026 beginnen dann die Bauarbeiten an der Nossener Brücke. Bis Ende des Jahres als “Phase 0” mit Rückbauten und kleineren Abbrucharbeiten. Ab Januar 2027 wird dann der Verkehr auf den südlichen Teil der Brücke umgeschwenkt und der nördliche Teil abgebrochen.
Im Mai 2030 soll dann schon die Campuslinie über die gesamte Strecke bis zum Nürnberger Platz fahren können. Der Rest der Baustelle wird erst 2031 fertig sein. Erst dann stehen alle Fahrspuren zur Verfügung.
Noch mal für’s Protokoll: Im Mai 2030 werden wir die Straßenbahn bis zum Nürnberger Platz in Betrieb nehmen können.
Sandro Zimmermann, Unternehmensbereichsleiter Infrastruktur, DVB AG
Die Nossener Brücke wird schon jetzt auf Veränderungen überwacht. Das wird während der Bauzeit und dem Teil-Abriss intensiviert. Bis zur Freigabe des neu errichteten, nördlichen Teils muss der südliche Teil der Brücke durchhalten.
Umleitungen und Sperrungen
Auf der Haupttrasse zwischen Nürnberger Platz und Emerich-Ambros-Ufer wird stets ein Durchkommen in beide Richtungen sein. Diese Route ist ja auch die offizielle Umleitung für die Autobahn A17. An der Kapazität der Strecke ändert sich nichts, da ja schon jetzt die Nossener Brücke nur zweispurig ist.
Fuß- und Radverkehr
Während des Brückenbaus müssen Radfahrer und Fußgänger sich einen Weg teilen. Auf der Brücke wird es diesen Weg auch nur auf einer Seite geben. Es wird also eng.
Entlang der Nürnbergerstraße wird es auf beiden Seiten einen Rad- und Fußweg geben.
Zeitweise Umleitungen wegen Abbiegebeziehungen
An bestimmten Knoten in der Südvorstadt können aber nicht alle Abbiegebeziehungen dauerhaft ermöglicht werden. Deshalb gibt es dann entsprechende Umleitungen. Zeitweise über die Münchner und Würzburger Straße, über die Zwickauer Straße und über die Altenzeller Straße.
Ebertplatz
Am Ebertplatz soll es schon 2027 losgehen. Für 9 Monate wird der Platz umgebaut und die Durchfahrt gesperrt. Autos müssen über die Oederraner Straße -> Freiberger Straße. Straßenbahnen werden über die Löbtauer Straße umgeleitet oder wenden an eine provisorischen Wendestelle an der Oederaner Straße. Der genaue Baustellen-Linienplan steht jetzt noch nicht fest.
Zukünftige Linienführung
Wenn ab 2031 alles fertig ist, fährt die Linie 7 von Löbtau über die neue Strecke zum Nürnberger Platz zum Hauptbahnhof und dann weiter auf der bisherigen Route. Damit deckt sie die Nachfrage für Löbtau – Uni und Uni – Neustadt ab.
Haltepunkt Nossener Brücke
Die Straßenbahn wird auf der Nossener Brücke halten und den Umstieg in die S-Bahn nach Tharandt ermöglichen. Der S-Bahn-Haltepunkt ist nicht Teil der Baumaßnahme, soll aber zeitnah nach Fertigstellung durch die Deutsche Bahn erfolgen.
Kosten und Finanzierung
Das gesamte Bauvorhaben (Löbtau bis Wasaplatz) ist eins der teuersten, was Dresden je gebaut hat. Insgesamt werden 324 Mio € investiert. Die Kosten werden zwischen der Landeshauptstadt Dresden und der DVB AG geteilt.
Fördermittel sind beantragt aber noch nicht bewilligt. Man rechnet im Sommer mit einem Bescheid. Damit die Maßnahme nun überhaupt beginnen kann, greift man auf den sog. Brückenfonds zurück, den der Stadtrat bewilligt hat. Siehe dazu V0606/25 (“Sicherung Finanzierung Campuslinie TA 1.2 Nossener Brücke/Nürnberger Straße”).
Voraussetzung für die Förderung sind Wirtschaftlichkeitsberechnungen die von der Realisierung der Gesamtmaßnahme ausgehen.
Fragen
Ich hatte auch wieder live getrötet unter folgendem Post.
Weitere Fragen bezogen sich auf Parkplätze, die Linienführung, die Umleitungsstrecken, den Autobahnverkehr, den Regionalverkehr inkl. Instandhaltungswerk, den Lärm, den Mietspiegel, die Haltbarkeit der Alt-Brücke. Alles nachzuhören in der Livestream-Aufzeichnung.
Karte
Links
- Informationsseite der Stadt über das Gesamtprojekt: https://www.dresden.de/campuslinie
- Aufgezeichneter Livestream vom 24.03.2026: https://www.youtube.com/watch?v=I7dF7PGbqOo
- Informationsvideo zum Bauablauf: https://www.youtube.com/watch?v=oFzj3hTiDwk