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Februar beginnt die Baumaßnahme „Gleisschleife Leutewitz“

Bild des Kirschbaums an der Gleisschleife Leutewitz

Wer hat es noch nicht erlebt, dass ein alter gesunder Baum im öffentlichen Raum gefällt wurde, weil es die Rechtslage zuließ. Ich denke dabei zuerst an die Linde an der Waltherstraße gegenüber der Einmündung der Berliner Straße, deren Baumstumpf heute noch erkennen lässt, dass sie für einen Straßenbaum recht gut im Saft stand. Man fragt sich schon, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Stadt immer mehr zur Asphalt- und Betonwüste wird, dabei war Dresden mal für dendrologische Kostbarkeiten berühmt.

Nun wurde in Leutewitz gemunkelt, dass im Zuge der Neugestaltung der Straßenbahngleisschleife, die vor allem zur Blütezeit von allen geliebte Kirsche gefällt werden soll.

Bild des Kirschbaums an der Gleisschleife Leutewitz
Gesunder Kirschbaum

Ich habe mich daraufhin bei den Verantwortlichen des Bauträgers DVB über die genauen Pläne erkundigt. Die Antwort fiel beruhigend aus: Im Planfeststellungsverfahren wurde dieser Baum als erhaltenswert eingestuft. Planunterlagen, besonders die der Ausführungsplanung, konnten mir aber nicht übergeben werden.

Daraufhin wandte ich mich an das Umweltamt, das ja für die Landschaftspflegerische Begleitplanung zuständig ist und musste erfahren, dass es keine Chance gibt, diesen Baum zu erhalten und schon längst Baurecht für das Bauvorhaben einschließlich Baumfällung besteht.

Was nun?

Jetzt könnte ich seitenlang über die Bedeutung von alten Bäumen für Stadtklima, Lebensqualität und Biodiversität schreiben. Das weiß doch aber mittlerweile jeder. Was mich besonders ärgert, ist die Unehrlichkeit der Verkehrsplanung. Dort wo es Bürgerbeteiligung gibt (Planfeststellungsverfahren) wird eine „Beruhigungspille“ verteilt, die letztlich in der konkreten und nichtöffentlichen (!) Planung kassiert wird. Der Bürgerwille wird nicht ernst genommen und bei heiklen Entscheidungen gar nicht erst abgefragt.

Der Verweis auf Ausgleichsmaßnahmen ist doch ebenfalls nur eine „Beruhigungspille“. Neupflanzungen können alten Baumbestand nicht ersetzen und wie oft sind diese Pflanzungen dann auch noch schief gegangen, wovon die Öffentlichkeit natürlich nach vollendeter Baumaßnahme nichts erfährt.

Fachlicherseits ist zu vermerken, dass wegen der barrierefreien Gestaltung die Bahnsteige geradlinig sein sollen und deshalb nach Süden gerückt werden. Das 2. Gleis ist erforderlich, um 2 Straßenbahnzüge hintereinander aufstellen zu können. Zudem soll das neue Gleis als Fahrbahn für den Bus genutzt werden, weshalb sich die Verkehrsfläche um 2m verbreitert. Eine weitere Verbreiterung entsteht durch die mittige Anordnung der Fahrleitungsmasten. Die Krone der Kirsche wird deshalb einseitig stark eingeengt und der ganze Baum soll deshalb gefällt werden. Um den Baum zu erhalten, sollte überprüft werden,

  • auf die Mittelmaststellung, die es im Übrigen in einer früheren Lösung nicht gab, zu verzichten
  • den Bus über eine, nördlich vor der Kirsche vorbei gehende Fahrspur zu führen, wodurch
  • das innere Gleis zum äußeren hin und somit vom Baum abgerückt werden und somit auch zum Grüngleis werden kann

Davon abgesehen sollte überprüft werden, ob der Haltebereich zwecks Verkürzung der Doppelgleisigkeit in Richtung Warthaer Str. und somit teilweise in den Krümmungsbereich verschoben werden kann.

Eine entsprechend sensibler Umgang mit Bäumen ist verkehrsplanerisch möglich, wobei ein schöpferischer Umgang mit ggf. zu starren, den Planer einschränkenden Richtlinien, dringend erforderlich ist.

Links

Pressemitteilung der DVB vom 12.02.2020

Neue Rodelbahnen im Leutewitzer Volkspark – Aufregung um Sanierung

Diese Woche gab es reichlich Aufregung um die Baumaßnahmen im Leutewitzer Volkspark, die die Stadt am 27.06.2014 in ihrer Pressemitteilung angekündigt hat. Immerhin 350.000 € gibt die Stadt aus Mittel des Stadtumbau Ost aus, um neue Wege anzulegen und die Böschungen abzusenken.

Die Sächsische Zeitung titelte am Freitag nach der Stadtratssitzung mit  „Nie wieder Rodeln im Leutewitzer Park?„. Im Stadtrat war am Vortag, dem 10.07.2014 ein interfraktioneller Eilantrag abgewiesen worden, die die Baumaßnahmen aussetzen sollte und stattdessen in den Ausschüssen beraten wollte. Ausgelöst wurde der Eilantrag durch eine Unterschriftensammlung von Anwohnern, die gegen eine Umgestaltung des Parks sind.

Hat da jemand etwas verpennt? Wurde der Stadtrat übergangen? Sollen da einfach 350.000 € gegen den Willen der Bürger versenkt werden? Wird das Rodeln in Zukunft nicht mehr möglich sein?

Um diese Fragen zu beantworten, hat der Amtsleiter Detlef Thiel vom Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft (ASA) Vertreter der Stadtratsfraktionen heute eingeladen um sich die Pläne vor Ort anzuschauen. Von SPD, Linke und CDU waren Vertreter anwesend. Für die Grünen war ich dabei. Die eingebundenen Fachämter (Untere Denkmalschutzbehörde), die Planer und die zukünftigen Bauleiter waren auch anwesend.

Der Volkspark Leutewitz wurde 1911 eröffnet. Die Idee war noch viel älter. So sprach man schon während der Eingemeindung Leutewitz nach Dresden 1903 von der Errichtung eines West-Parks. Sogenannte Volksparke entstehen in dieser Zeit in ganz Deutschland in den großen Städten, um in den dicht-besiedelten Arbeiterstadtteilen eine Naherholungsfläche zu schaffen, die weniger zum Flanieren als zum Sporttreiben und Erholen angelegt war (Volksparkbewegung).

Im Original bestand der Volkspark Leutewitz nur knapp 10 Jahre. Dann  hat man die ursprünglich, linear abfallende Ebene aufgeschüttet und zwei flache Plateaus geschaffen. Genutzt wurde dieses wohl zunächst von anliegenden Schulen als Sportfläche. Heute ist der Volkspark „einzigartig“ in Dresden.

Bis vor 5 Jahren kümmerte man sich wenig um den Volkspark. Dann hat den Park der Freundeskreis Cotta zu seinem Projekt erklärt und Pläne für die Sanierung der maroden Wege wurden begonnen. Zum 100-jährigem Jubiläum konnte das ASA bereits die heutigen Pläne zum Parkfest vorstellen. Im Juni 2012 wurden die Pläne auch im Ortsbeirat vorgestellt. Eine Finanzierung war aber zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht gesichert.

Unstrittig war in der heutigen Runde, dass die Wege dringend in Stand gesetzt werden müssen. Bei Starkregen werden die aktuellen Wege immer weiter ausgewaschen und das Regenwasser ist schwer in den Griff zu bekommen und fließt dann ggf. auch unkontrolliert in die darunter liegenden Kleingartenanlagen. Diese Maßnahme kostet den Großteil der Bausumme nämlich allein 300.000 €. Dazu werden mehr seitliche Abflüsse geschaffen und Sickergruben angelegt, damit das anfallende Wasser langsam versickern kann. Die Wege werden mit einer wassergebundenen Decke mit organischen Material ausgeführt, welches eine besser Wasserdurchlässigkeit haben soll.

Das absenken der Böschung ist ein Kompromiss zwischen Denkmalschutz und aktueller Nutzung des Volksparks. Der Plan ist, die obere und mittlere Böschung abzuflachen und die untere Böschung zu entfernen. Das Erdreich wird dabei nicht entfernt sondern nur von unten nach oben verlegt. Am unteren Ende des Parks wird auch eine Art „Regenrückhaltebecken“ gestaltet, was bei Starkregenereignissen das Wasser aufhalten soll.

Bestehen bleibt die obere, gerade Spiel- und Liegewiese. Rodeln kann man dann in Zukunft oben und in der Mitte. Verschiedene Schwierigkeitsgrade wird es vermutlich auch geben.

Die Blickbeziehung in die Stadt wird dann leichter wieder möglich sein. Auf der mittleren Böschung werden ein paar wenige  Bäume gefällt. Ganz am Ende des Parks werden Bäume nicht nachgesetzt. So wird es wohl zumindest im Winter möglich sein, die Innenstadt zu sehen.

Danach wird es auch weitergehen im Volkspark. Irgendwann werden die Alleebäume nachgesetzt, die beidseitig die Wege umschlossen haben. Das ist aber Zukunftsmusik und nicht im aktuellen Budget enthalten.

Und hat man die Anwohner nun vergessen? Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind sich da keiner Schuld bewusst. Man hat eng mit dem Freundeskreis Cotta zusammengearbeitet, die Anwohner über das Parkfest informiert, den Ortsbeirat informiert und auch die Presse hat mehrfach darüber berichtet (z.B. DNN 2011). Und doch kann man da sicherlich noch etwas verbessern, damit es erst gar nicht zu solch einer Aufregung kommt.

Und der Stadt-  und Ortsbeirat?  Diese müssen sich mit solch „kleinen“ Dingen eigentlich nicht beschäftigen. Das regelt die Hauptsatzung der Landeshauptstadt Dresden. Hier steht, dass die Oberbürgermeisterin für Baumaßnahmen bis 1 Mio € entscheiden kann (§28 8.).

Gebaut wird übrigens bald. Die Aufträge sind erteilt und das Wetter sollte mitspielen, sonst wird das eine schlammige Angelegenheit. Der Park wird auch in dieser Zeit zugänglich sein. Die Bautstelle wird jeweils mit Bauzäunen abgesperrt. Bis  zum Winter soll die Abflachung der Böschungen erledigt sein, so dass dem Rodeln nichts im Wege steht.

Die Anwohner sollen während der Baumaßnahme eingeladen werden um sich über die gesamte Maßnahme zu informieren. Das sollte man dann aber bitte auch nicht vergessen.

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