Autorenarchive: Alexander Bigga

Strategisch wählen zur Landtagwahl? Unbedingt!

Was bedeutet „strategisch wählen“?

Nun es gibt ja bekanntlich zwei Stimmen bei der Landtags– und Bundestagswahl. Die Zweitstimme legt das Stimmenverhältnis der Parteien im Parlament fest , die Erststimme wählt einen Kandidaten direkt in das Parlament.

Bisher hat in Sachsen die CDU fast alle Direktmandate erlangt. Das sah nach Automatismus aus und kaum jemand dürfte sich über seine Erststimme Gedanken gemacht haben. „Strategisch“ wäre es ja, einen Kandidaten zu wählen, der realistische Chancen hat obwohl man mit der Zweitstimme eine andere Partei bevorzugt.

Zur Landtagswahl 2019 in Sachsen sieht das völlig anders aus. Die CDU wird vermutlich eine hohe Anzahl an Direktmandaten verlieren, die meist an die AfD fallen könnten. Jetzt könnte man denken, mal wähle diesmal „strategisch“ mit der Erststimme die CDU um die AfD zu verhindern. Gut gedacht, stimmt nur nicht überall.

Nutzt das überhaupt jemand?

Das wurde bisher relativ wenig genutzt. Das freut zwar die Wahlhelfer, weil die Auszählung dadurch einen Ticken schneller geht. Es war auch aus den o.g. Gründen verständlich. Der Platzhirsch (CDU) hat das Direktmandant ja eh bekommen. Da kann man seine Stimme auch dem aussichtslosen Direktkandidaten seiner bevorzugten Partei geben. Als Unterstützung und Bestätigung für seinen Wahlkampf ist das ja auch sehr nett.

Landtagswahl 2014 im Wahlkreis 46 (Dresdner Westen)

Schaut man sich das Ergebnis der Landtagswahl 2014 im Wahlkreis 46 (Dresdner Westen ohne Cotta) an, fällt auf, dass bei LINKE und AfD vermutlich fast kein Wähler von der Möglichkeit des Stimmensplittings Gebrauch gemacht hat. Natürlich ist das nur eine Annahme. Es könnte auch ein dummer Zufall sein.

Landtagswahl 2014CDULinkeSPDGrüneAfD
Erststimmen34,2 %18,3 %18,0 %7,5 %9,3 %
Zweistimmen35,4 %17,8 %13,1 %9,1 %9,4 %
Abweichung (gerundet)-1,2 %0,5 %5,0%1,4 %0,0 %

Auffallend ist aber, dass die SPD deutlich mehr Erststimmen (+5%) gewinnen konnte als Zweitstimmen. Ich denke, das hat etwas mit der Popularität von Frau Eva-Maria Stange zu tun. Sie ist ja sehr aktiv im gesamten Wahlkreis und auch als Ministerin bekannt. Die Persönlichkeit überzeugt hier offenbar die Wähler, auch wenn sie die Zweitstimme dann einer anderen Partei geben. Leider tritt Frau Stange zur Landtagswahl 2019 nicht mehr an und ihre Nachfolgerin – Sophie Koch – kann die Lücke noch nicht schließen.

Nach dem Beispiel gehe ich davon aus, dass mindestens 5% der Wähler bereit sind „taktisch“ zu wählen. Dieses Mal hoffentlich sogar noch viel mehr. Doch reichen 5% im Wahlkreis 46?

Wahlkreisprognosen

Die Initiative Zukunftsachsen hat auf Ihrer Seite die Daten von Wahlkreisprognose.de gefiltert. Angegeben wird die Kandidatur, die abseits der AfD die größten Chancen haben soll. Dabei kann es sein, dass die AfD auf einem hinteren Platz oder ganz vorne ist. Das erfährt man hier nicht. An sich kann ich den Blogartikel hier enden lassen und auf folgende Tabelle von zukunftsachsen.org verweisen. Punkt.

Wahlkreiszukunftsachsen.org (Stand 30.08.19)
41Grüne, Valentin Lippmann
42CDU, Christian Piwarz
43Grüne, Henriette Mehn
44Grünen, Dietrich Herrmann
45Grüne, Thomas Löser
46CDU, Lars Rohwer
47Grüne, Susanne Krause

Mapping Europawahl 2019 auf Landtagswahlkreise

Doch wie kommt wahlkreisprognose.de zu solchen Aussagen? Man nehme bisherige Wahlen und fügt weitere Daten dazu und lässt einen Algorithmus arbeiten.

Ich mach das mal per Hand und komme tatsächlich zu ähnlichen Ergebnissen anhand der Europawahl 2019.

Die Stadt stellt die Ergebnisse der Wahlen auch als Excel-Datei zur Verfügung. Mappt man diese auf die Landtagswahlkreise, kommt man zu folgendem Ergebnis.

41424344454647
CDU18,9%21,7%18,5%19,9%16,2%18,1%15,9%
Linke11,6%11,4%12,1%12,4%15,5%11,5%13,9%
SPD7,5%8,5%9,2%9,0%8,7%7,7%8,0%
AfD18,0%25,6%19,5%19,2%14,8%23,2%18,6%
Grüne21,4%12,8%16,9%17,8%21,0%15,3%17,6%
FDP5,5%5,0%5,7%5,1%4,1%5,0%4,7%
Sonstige17,1%15,0%18,1%16,6%19,8%19,2%21,3%








Differenz
(1. Platz –
Grün)
0,0 %12,8 %2,6 %2,1 %0 %7,9 %1,0 %

Große Unsicherheit bei diesem Vergleich ist die hohe Zahl (bis zu 21,3%) der Stimmen für die „sonstigen“ Parteien. Bei der Europawahl gibt es keine 5%-Hürde. Bei der Landtagswahl aber schon. Vermutlich wird deshalb die Bereitschaft, kleine Parteien zu wählen, die vermutlich nicht in den Landtag einziehen werden, geringer sein.

Nimmt man diese Ergebnisse und sieht diese als Erststimmenergebnis an, so scheint im Wahlkreis 41 und 45 alles klar auf ein Grünes Direktmandant hinauszulaufen.

In den Wahlkreis 42 und 46 sind die Grünen weit davon entfernt. Das sind auch die zwei Wahlkreise, in denen die Dresdner Grünen kein Direktmandat erwarten. Im Wahlkreis 46 läge Herr Rohwer (CDU) CDU vermutlich aktuell auf Platz 2 in der Wählergunst. Geht man von den o.g. 5% strategischen Wählern aus, könnte es aber doch knapp für ihn reichen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall. Sowohl Herr Rohwer als auch Herr Harlaß (AfD) haben keinen Listenplatz. Dagegen ist die Grüne Kandidatin Lucie Hammecke relativ komfortable mit Listenplatz 9 über die Zweitstimme abgesichert.

In Wahlkreis 43, 44, und 47 ist es dagegen durchaus möglich, dass die Grünen das Direktmandat erlangen. In allen drei Wahlkreisen wäre hier die AfD vorne aber der Abstand der Grünen beträgt unter 2,6%. In 43 und 44 liegt allerdings noch die CDU dazwischen.

Fazit

So wird es kommen, dass ich meine Erststimme Herrn Rohwer (CDU) geben werde und meine Zweitstimme den Grünen. Das ist nicht meine Wunschkoalition aber es geht ja hier nicht um die Wahl einer Koalition sondern um die Vertretung des Wahlkreises im Landtag. Und da ist mir Herr Rohwer 1000 Mal lieber als ein AfD-Kandidat.

Links

Kommunalwahl 2019 – Mehr Grün(e) im Dresdner Westen

Die Kommunalwahl ist ja schon eine Weile vorbei. Die Auszählung konnte am Wahlabend ja nicht abgeschlossen werden und so gibt es das amtliche Endergebnis erst am 11./12. Juni.

Am Dienstag wurden nun die restlichen Wahlbezirke für die Stadtbezirksbeiräte öffentlich ausgezählt. Das vorläufige Endergebnis ist seit Mittwoch auf der städtischen Webseite einsehbar. Zeit, das Ergebnis auch hier im Blog festzuhalten. Wer vertritt den Dresdner Westen im Stadtrat und wer sitzt im Stadtbezirksbeirat und was hat sich durch die Direktwahl geändert?

Wahlkreis 10 (Löbtau / Cotta)

Der neue Wahlkreis hat 33.536 Wahlberechtigte von denen 66,0% zur Wahl gegangen sind (22.123 Wähler). Gewählt wurden die folgenden 5 Stadträte:

  • Anke Wagner, CDU, 5602 Stimmen, Loschwitz
  • André Schollbach, LINKE, 4215 Stimmen, Loschwitz
  • Susanne Krause, Bündnis 90/Die Grünen, 4994 Stimmen, Friedrichstadt
  • Matthias Rentzsch, AfD, 4289 Stimmen, Cossebaude
  • Torsten Nitzsche, Freie Wähler Dresden e.V., 2189 Stimmen, Dölzschen

Damit haben wir im Dresdner Westen mit Susanne Krause eine Grüne Stimme im Stadtrat. Mehr als bisher, denn Michael Schmelich, der für den alten Wahlkreis 11 auch Löbtau vertreten hat, sitzt wieder im Stadtrat und wurde im Wahlkreis 9 (Plauen) gewählt.

Im Stadtrat ist der Wohnort der Räte nicht so entscheiden (es muss halt in Dresden sein). Die Stadträte entscheiden ja für die gesamte Stadt. Trotzdem finde ich es immer schön, wenn die Räte sich mit „ihrem“ Wahlkreis identifizieren und hier auch aktiv sind.

Um ein zweites Grünes Mandat im Wahlkreis 10 zu erreichen, hätten insgesamt ca. 19 Grüne in den Stadtrat einziehen müssen. Aber wir wollen mal auf dem Teppich bleiben. 15 Mandate für die gesamte Stadt sind schon sehr gut.

Wahlkreis 11 (Gorbitz/Briesnitz/Cossebaude/*)

Hier wohnen 34.735 Wahlberechtigte. Die Wahlbeteiligung lag nur bei 60,2% (20.918 Wähler). In der gesamten Stadt lag sie bei 67%. Die schlechte Wahlbeteiligung führt dazu, dass den Wahlkreis auch nur 4 Menschen im Stadtrat vertreten.

  • Jan Donhausen, CDU, 5916 Stimmen, Loschwitz
  • Katharina Hanser, LINKE, 2750 Stimmen, Cotta
  • Wolf Braun, AfD, 9301 Stimmen, Neustadt
  • Frank Hannig, Freie Wähler Dresden e.V., 1518 Stimmen, Niedersedlitz

Auffällig ist hier, dass nicht die Anzahl der Stimmen im Wahlkreis entscheidet, ob jemand in den Stadtrat einzieht. So hat der zweite AfD-Kandidat über 6000 Stimmen und kommt trotzdem nicht zum Zug.

Der Hintergrund wird in der FAQ vom SMI in Punkt 57 erklärt:

57. Wie erfolgt die Verteilung der Sitze in Kreisfreien Städten und bei der Wahl zum Kreistag

1. Schritt: Die im Wahlgebiet (Kreisfreie Stadt bzw. Landkreis) ermittelten Gesamtstimmen der Parteien oder Wählervereinigungen werden nach dem d’´Hondtschen Höchstzahlverfahren (Erläuterung – siehe Frage 59) verteilt. Damit stehen die der Partei oder Wählervereinigung im Gemeinderat / Kreistag insgesamt zustehenden Sitze fest.

2. Schritt: Nun werden die der einzelnen Partei oder Wählervereinigung zustehenden Sitze auf die Wahlkreise verteilt. Auch diese Verteilung erfolgt wieder nach dem d’´Hondtschen Höchstzahlverfahren.

3. Schritt: Letztlich werden die Sitze auf die einzelnen Kandidaten verteilt. Die Zuteilung erfolgt in der Reihenfolge der auf die einzelnen Kandidaten entfallenen Stimmen.

Ausführlicher findet man das auch im Kommunalwahlgesetzt (KommWG) im Paragraph §22.

Stadtbezirksbeirat Cotta

Der Stadtbezirksbeirat (ehemals Ortsbeirat) wurde erstmals direkt gewählt. Bisher wurden die Vertreter durch den Stadtrat entsendet – auf Vorschlag der jeweiligen Fraktionen. Meist haben die Parteien intern Wahlen durchgeführt. Einen Einfluss der Wähler auf die Auswahl der Ortsbeiräte gab es aber nicht.

Wahlberechtigte 57.998, Wähler 35.599, Wahlbeteiligung 61,4%.

Doch was hat das geändert? Tatsächlich sind die Reihenfolge der Kandidaten auf den jeweiligen Listen durch die Wähler geändert worden. Und wenn man davon ausgeht, dass der Plan war, die ersten Kandidaten in das Gremium zu schicken, so gibt es einzelne Überraschungen.

Zunächst das Ergebnis:

ParteiAnteilSitze (Veränderung)gewählte Kandidaten (Listenplatz), Stimmen*
AfD20,4%5 (+3)Hans-Joachim Klaudius (3), 7773 7667 (-1,3%)
Peter Berauer (1), 4185 4232 (+1,1%)
René Hauser (4), 2990 2936 (-1,8%)
Christian Pinkert (5), 2973 2998 (+0,8%), Stadtrat WK 1
Gerd Gerull (2), 1906 1918 (+0,6%)
Grüne17,5%4 (+1)Alexander Bigga (1), 4713 4724 (+0,2%)
Nora Krzywinski (2), 3535 3584 (+1,4%)
Anna Kamphausen (4), 2167 (+/-0)
André Baumgartl (3), 1629 1640 (+0,7%)
LINKE16,6%4 (-1)Julia Schreiber (1), 5426 5525 (+1,8%)
Heike Krause (3), 2270 2252 (-0,8%)
Uwe Baumgarten (2), 1273 1267 (-0,5%)
Marlis Goethe (12), 997 996 (-0,1%)
CDU16,2%4 (-1)Maik Peschel (1), 6399 6528 (+2,0%)
Christine Hartmann (2), 1316 1301 (-1,1%)
Thomas Luck (18), 1001 1005 (+0,4%)
Felix Hitzig (3), 979 1013 (+3,5%)
SPD8,9%2 (+/-0)Christine Finken (3), 1580 1581 (+0,1%)
Henrik Ahlers (1), 1431 1435 (+0,3%)
Freie Wähler6,2%1 (+1)Torsten Nitzsche (1), 3491 3559 (+1,9%), Stadtrat WK 10
FDP5,6%1 (+/- 0)Holger Hase (1), 1315 1305 (-0,8%), Stadtrat WK 9

Nicht mehr vertreten sind die Piraten und die NPD. Letzteres ist ja zumindest eine positive Nachricht. Eine grün-rot-rote Mehrheit gibt es nicht (10 Sitze zu 21). Abstimmungen können also von Fall zu Fall unvorhersehbar sein, was es ja auch spannend macht. Da es keine Stellvertreter mehr gibt, wird es auch häufiger passieren, dass nicht alle 21 Stadtbezirksbeiräte anwesend sind wegen Krankheit, Urlaub oder was auch immer.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann sind vier drei Stadtbezirksbeiräte zugleich gewählte Stadträte. Eine Doppelbelastung, die mir „erspart“ geblieben ist (siehe Wahlkreis 10).

Die Frauenquote beträgt übrigens im Stadtbezirksbeirat 33% (7 von 21). Also etwas schlechter als im Stadtrat (39% bzw. 27 von 70).

Im September wird der neue Stadtbezirksbeirat das erste Mal tagen. Am 20. Juni wird es noch eine Sitzung mit der alten Zusammensetzung geben.

* Update September 2019: Das Wahlergebnis wurde am 29.08.2019 erneut festgestellt und im Amtsblatt vom 12.09.2019 veröffentlicht. Die geänderten Stimmen wurden in der oben stehenden Tabelle geändert.
Die erste Sitzung des neuen Gremiums wird deshalb vermutlich erst am 07. November 2019 stattfinden.

Ortschaftsrat Cossebaude

Das will ich am Ende nicht unter den Tisch fallen lassen. Erstmals hat Bündnis 90/Die Grünen eine Kandidatin für den Ortschaftsrat in Cossebaude aufgestellt. Und Ines Schreiber wurde mit 10,6% auf Anhieb in das 10-köpfige Gremium gewählt.

Rütteln an der Leutewitzer Park-Erweiterung

Dass ein Antrag im Stadtbezirksbeirat mal gar keine Zustimmung erhält, ist schon sehr selten. Meist hat ja der Antragssteller Unterstützer bei seinen Partei-Freunden.

Herr Bartels von der Bürgerfraktion hat keine Freunde gefunden (Sitzung vom 02.05.2019) mit seinem Antrag, den Wohnungsbau im Leutewitzer Park zu ermöglichen. Ja, so lautet der Antragstitel tatsächlich: „Leutewitzer Park – Wohnungsbau ermöglichen“ (A0573/19). Von dem Titel wusste Herr Bartels ebenso wenig wie von dem Sachverhalt der Klarstellungs und Ergänzungssatzung 441 am Leutewitzer Park, die uns nun schon seit Jahren beschäftigt hat.

Sein Argument: Wenn der Investor auf den Grundstücken 107/1, 105, 105/1, 105f, 106, 106/4, 174/3 und 175 (siehe Themenstadtplan, bzw. rotes Gebiet in der Karte unten) insgesamt 8 Wohngebäude (zur Größe wurde nichts gesagt – es kann aber von Mehrfamilienhäusern ausgegangen werden) bauen darf, wird der Bauherr Kosten für die Gestaltung der verbliebenen Fläche und den Zugang zum Leutewitzer Park übernehmen. Sonst „drohe“ ein Zaunbau.

Mit der Klarstellungs- und Ergänzungssatzung ist geregelt, wo Außen- und Innenbereich in diesem Gebiet ist. Also wo gebaut werden darf und wo nicht. Jetzt prüfen zu lassen, ob dort im Außenbereich gebaut werden darf, hat nicht nur mich fassungslos gemacht. Natürlich ist so eine Satzung wieder aufhebbar. Aber nicht hinten rum über einen Prüfauftrag, der gar nicht auf das eigentliche Thema eingeht.

Auch der Investor VSC, vertreten durch den Geschäftsführer Herrn Köhn, kam zu Wort. Er hatte 2016 angekündigt (siehe Niederschrift zur Ortsbeiratssitzung am 21.01.2016, Seite 8), diese Grundstücke an die Stadt zu schenken. Dass er sie nicht schenken darf beantwortet leider nicht, warum er sie nicht mittlerweile günstig an die Stadt verkauft hat. Geld war meines Wissens dafür eingestellt.

Wer die treibende Kraft hinter dieser Initiative ist, bleibt unklar. Ist es der Investor VSC, der mit Salami-Taktik sich langsam in den Park vorarbeitet? Oder Herr Bartels, der glaubt, das Wohnungsproblem in Dresden mit dem Bau von hochpreisigen Eigentumswohnungen zu lösen.

Ergebnis der Abstimmung: 16 Nein, 4 Enthaltungen, kein Ja.

Ich hoffe, der Ausschuss kommt am 15.05.19 zum selben Ergebnis.

Links

Nachtrag

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau hat erst in der Sitzung am 19.05.19 über den Antrag entschieden. Mit einigen Änderungen ist er nicht dem deutlichen Votum des Stadtbezirksbeirat gefolgt sondern befürwortet die teilweise Bebauung.

Amalie-Dietrich-Platz bald alkoholfrei?

Der Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz gilt als unruhiges Pflaster. Alkohol spielt dabei oft eine Rolle. Das ist nicht wirklich neu aber in den letzten Jahren ist es vermehrt zu Belästigungen bis hin zu Körperverletzungen gekommen. Eine Liste mit 19 Vorkommnissen von Juli bis Oktober 2018 wurde dem Stadtbezirksbeirat Cotta als Begründung für eine Polizeiverordnung „Alkoholverbot“ ausgereicht (V2946/19, Anlage 2, nicht-öffentlich).

Was liegt also näher, das Trinken von Alkohol an diesem Platz zu verbieten? Auf diese Idee sind schon andere Kommunen gekommen und mussten diese teilweise nach entsprechenden Klagen wieder auflösen.

In Sachsen sind solche Alkoholverbotszonen im Sächsischen Polizeigesetz geregelt: §9a SächsPolG setzt dabei folgende Beschränkungen:

  • das Gebiet darf sich nur über 2 Plätze und 3 Straßen erstrecken
  • das Verbot darf maximal 12 Stunden am Tag gelten
  • das Verbot darf maximal an 6 Tage pro Woche gelten („an allen Tagen […] ist unzulässig“)
  • eine entsprechende Polizeiverordnung gilt maximal 1 Jahr und kann – soweit die Voraussetzungen erfüllt sind – verlängert werden

Aus den Möglichkeiten hat das Ordnungsamt eine Polizeiverordnung entworfen (V2946/19), die am vergangenen Donnerstag, 02.05.2019 in der Stadtbezirksbeiratssitzung diskutiert wurde. Aus den Einschränkungen hat man Folgendes gemacht. Das Verbot gilt

  • im unten abgebildeten Gebiet
  • von 16 Uhr bis 4 Uhr
  • Dienstag bis Sonntag

Diese Verbotszone kann nur ein Baustein in der Verbesserung der Situation am Amalie-Dietrich-Platz sein. So wurde in der Stadtbezirksbeiratssitzung am 07.03.2019 bereits beschlossen (V2843/18), den Vorplatz der 135. Grundschule in einen Spielplatz umzuwidmen. Auf Spielplätzen gilt generell Alkoholverbot. Das finde ich auch in Ordnung und darüber wird in Dresden mit einem Piktogramm am Spielplatzschild informiert.

Eine Beschilderung oder Information der Bevölkerung ist nicht vorgesehen. Das finde ich schon sehr skurril. Nicht jeder liest regelmäßig das Amtsblatt oder gar die gültigen Polizeiverordnungen. Ich bin skeptisch, dass ein Verbot notwendig ist und etwas bringt. Die Menschen werden eher auf die angrenzenden Flächen verdrängt oder trinken bevor sie sich am Amalie-Dietrich-Platz treffen.

Am Ende hat der Stadtbezirksbeirat noch einen Änderungsantrag der SPD angenommen, das Gebiet auf die Mittelachse und den Merianplatz auszudehnen und hat dem geänderten Beschlussvorschlag mit 16 Ja, 3 Nein und 1 Enthaltung zugestimmt. Neben der FDP waren nur wir Grüne gegen eine entsprechende Zone (2 Nein, 1 Enthaltung). Die Verbotsparteien sind die anderen 😉

Nachtrag / Links

  • Der Stadtrat hat die Polizeiverordnung am 06.06.2019 beschlossen.
  • Mit Veröffentlichung der Polizeiverordnung (PolVO Alkoholverbot) am 27.06.2019 im Amtsblatt 26/2019 gilt diese.

Grumbacher Straße wird verbunden – Wohnungen statt Kleingärten & Garagen

In der Stadtbezirksbeiratssitzung vom 02. Mai 2019 wurde zur Information das Bauvorhaben „Stadtgärten am Lerchenberg“ an der Grumbacher Straße in Löbtau-Nord vom Bauträger HBH Immobilien GmbH vorgestellt.

Insgesamt geht es hier um 6 Mehrfamilienhäuser, die in den nächsten Jahren Lücken in der Würfelhausstruktur schließen und somit nicht in den Gremien Stadtbezirksbeirat oder Stadtrat beraten werden. Eine Information darüber ist allerdings bei dieser Größe sehr erfreulich. Der ein oder andere Bürger ist daran interessiert (Anwohner oder Kaufinteressenten) und die Stadtbezirksbeiräte sind ja auch Multiplikatoren bzw. werden auf allerlei Themen angesprochen.

Die Diskussion im Stadtbezirksbeirat drehte sich dann vor allem um die Öffnung der Grumbacher Straße zwischen Gohliser Straße und Burgkstraße. Hier ist das übliche, rechteckige Straßenmuster nämlich unterbrochen durch eine Garagenanlage. Wer schon länger in Löbtau wohnt, erinnert sich zudem an die Hochspannungsfreileitung die mitten auf der Straße verlief und deren Masten ein guter Grund waren, die Straße hier zu unterbrechen. 2017 konnte diese Freileitung, die seit den 1920er Jahren existierte, in den Untergrund verlegt werden. Seitdem warte ich eigentlich darauf, dass man die Grumbacher Straße „öffnet“.

Dies geschieht nun bis spätestens 2023. Dann wird die übliche Breite von 7,5m hergestellt. Da Parken auf beiden Seiten möglich ist, bleibt eine Durchfahrtsbreite von ungefähr 3,5m. Also alles, wie es in der Umgebung üblich ist. Die Oberfläche wird geteert und die Leuchten werden als elektrische, historische Kandelaber mit LEDs ausgeführt. Das ist der Plan. Noch ist da nicht alles besprochen aber der feste Wille ist da, nicht nur den Lückenschluss herzustellen sondern auch die gesamte Straße zwischen Gohliser Straße und Burgkstraße zu sanieren.

Schaut man jetzt auf den aktuellen Stadtplan und vor Ort, fällt einem der „Kleingärtnerverein Drescherhäuser e.V.“ auf. Der Verein hat zwischen Braunsdorfer und Grumbacher Straße einige Parzellen. Genau auf dem Grundstück, welches nun bebaut werden wird. Das wurde bei der Präsentation überhaupt nicht angesprochen. Ich weiß also nicht, wie die Gartenfreunde darüber informiert und entschädigt wurden.

Auf historischen Karten erkennt man, dass diese Fläche noch nie bebaut wurde. Auch ist der Zuschnitt des Flurstücks wohl aus Zeiten, bevor Löbtau überhaupt in der heutigen Form angelegt wurde. Zu sehen z.B. im Stadtplan von 1911 im Virtuellen Kartenforum bzw. in der Deutschen Fotothek. Es scheint auch, dass die Grumbacher Straße an dieser Stelle noch nie durchgängig war.

Durch den Bau verschwindet leider nicht nur Garagen sondern auch viel Grün. Zwar hat man es geschafft, dass das zweite Haus von der Braunsdorfer keine eigene Kfz-Zufahrt erhält, da die Zufahrt in die Tiefgarage mit dem ersten Haus geteilt wird. Ein Fußweg von dem zweiten Haus zu den Häusern an der Grumbacher Straße ist auf Grund des „Geländesprungs“ nicht vorgesehen. Nicht, dass es Treppen gäbe – Hausverwaltungen lieben Zäune 🙁

Von den „Gärten“ am Lerchenberg wird also nur wenig übrig bleiben. Für Großgrün wird auch kein Platz auf den verbleibenden Grundstücken sein. Eine Verdichtung wie diese finde ich gut, nur müsste sie mehr Grün enthalten. Vielleicht kommen wir irgendwann dahin, dass auch mindestens ein großer Baum pro Grundstück verpflichtend wird.

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