Autorenarchive: Christian Hainke

Februar beginnt die Baumaßnahme „Gleisschleife Leutewitz“

Bild des Kirschbaums an der Gleisschleife Leutewitz

Wer hat es noch nicht erlebt, dass ein alter gesunder Baum im öffentlichen Raum gefällt wurde, weil es die Rechtslage zuließ. Ich denke dabei zuerst an die Linde an der Waltherstraße gegenüber der Einmündung der Berliner Straße, deren Baumstumpf heute noch erkennen lässt, dass sie für einen Straßenbaum recht gut im Saft stand. Man fragt sich schon, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Stadt immer mehr zur Asphalt- und Betonwüste wird, dabei war Dresden mal für dendrologische Kostbarkeiten berühmt.

Nun wurde in Leutewitz gemunkelt, dass im Zuge der Neugestaltung der Straßenbahngleisschleife, die vor allem zur Blütezeit von allen geliebte Kirsche gefällt werden soll.

Bild des Kirschbaums an der Gleisschleife Leutewitz
Gesunder Kirschbaum

Ich habe mich daraufhin bei den Verantwortlichen des Bauträgers DVB über die genauen Pläne erkundigt. Die Antwort fiel beruhigend aus: Im Planfeststellungsverfahren wurde dieser Baum als erhaltenswert eingestuft. Planunterlagen, besonders die der Ausführungsplanung, konnten mir aber nicht übergeben werden.

Daraufhin wandte ich mich an das Umweltamt, das ja für die Landschaftspflegerische Begleitplanung zuständig ist und musste erfahren, dass es keine Chance gibt, diesen Baum zu erhalten und schon längst Baurecht für das Bauvorhaben einschließlich Baumfällung besteht.

Was nun?

Jetzt könnte ich seitenlang über die Bedeutung von alten Bäumen für Stadtklima, Lebensqualität und Biodiversität schreiben. Das weiß doch aber mittlerweile jeder. Was mich besonders ärgert, ist die Unehrlichkeit der Verkehrsplanung. Dort wo es Bürgerbeteiligung gibt (Planfeststellungsverfahren) wird eine „Beruhigungspille“ verteilt, die letztlich in der konkreten und nichtöffentlichen (!) Planung kassiert wird. Der Bürgerwille wird nicht ernst genommen und bei heiklen Entscheidungen gar nicht erst abgefragt.

Der Verweis auf Ausgleichsmaßnahmen ist doch ebenfalls nur eine „Beruhigungspille“. Neupflanzungen können alten Baumbestand nicht ersetzen und wie oft sind diese Pflanzungen dann auch noch schief gegangen, wovon die Öffentlichkeit natürlich nach vollendeter Baumaßnahme nichts erfährt.

Fachlicherseits ist zu vermerken, dass wegen der barrierefreien Gestaltung die Bahnsteige geradlinig sein sollen und deshalb nach Süden gerückt werden. Das 2. Gleis ist erforderlich, um 2 Straßenbahnzüge hintereinander aufstellen zu können. Zudem soll das neue Gleis als Fahrbahn für den Bus genutzt werden, weshalb sich die Verkehrsfläche um 2m verbreitert. Eine weitere Verbreiterung entsteht durch die mittige Anordnung der Fahrleitungsmasten. Die Krone der Kirsche wird deshalb einseitig stark eingeengt und der ganze Baum soll deshalb gefällt werden. Um den Baum zu erhalten, sollte überprüft werden,

  • auf die Mittelmaststellung, die es im Übrigen in einer früheren Lösung nicht gab, zu verzichten
  • den Bus über eine, nördlich vor der Kirsche vorbei gehende Fahrspur zu führen, wodurch
  • das innere Gleis zum äußeren hin und somit vom Baum abgerückt werden und somit auch zum Grüngleis werden kann

Davon abgesehen sollte überprüft werden, ob der Haltebereich zwecks Verkürzung der Doppelgleisigkeit in Richtung Warthaer Str. und somit teilweise in den Krümmungsbereich verschoben werden kann.

Eine entsprechend sensibler Umgang mit Bäumen ist verkehrsplanerisch möglich, wobei ein schöpferischer Umgang mit ggf. zu starren, den Planer einschränkenden Richtlinien, dringend erforderlich ist.

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Pressemitteilung der DVB vom 12.02.2020

Lohnt sich Wassersparen für die Stadtentwässerung? – Neue Abwassersatzung ab 01.01.2013

Wer sich an den desaströsen Zustand des Kaditzer Klärwerks in den Achtzigern erinnert, als der überwiegende Teil des westdresdner Abwassers ungeklärt in die Elbe ging, der weiß, was inzwischen geleistet worden ist und der versteht, dass Abwasserbehandlung nicht kostenfrei zu haben ist. Wer außerdem die damaligen, von verschwenderischem Umgang mit Warmwasser zeugenden, abendlichen Rinnsale und Straßenüberschwemmungen in Neugorbitz erlebt hat – die Kanalisation war zeitweilig hoffnungslos überfordert-, der versteht auch die Rolle der Abwassergebühr zur verantwortungsbewussten Nutzung der Naturressource Wasser.

Genauso wichtig ist es aber auch die Preisgestaltung eines kommunalen Monopolisten zu kontrollieren und zu beobachten, wie der Abwasserbetrieb seine Steuerrolle zur verantwortungsbewussten Wassernutzung nachkommt. Wir erlebten doch in Sachsen, wie teuer dem Gebührenzahler überdimensionierte Klärwerke kommen, die Anfang der Neunziger in Erwartung von Einwohnerzuwachs gebaut wurden.

Am 1.1.2013 wird nach Stadtratszustimmung eine neue Abwassersatzung in Kraft treten, die die nach der Frischwassermenge berechnete Schmutzwassergebühr um 2% und ab 2015 um 3% steigen lässt. Die nach der versiegelten Grundstücksfläche berechnete Niederschlagswassergebühr wird mit der Begründung nicht angehoben, dass hier ohnehin durch stetig steigende Versiegelungen eine ständige Einnahmeerhöhung zu erwarten ist.

Hier beschleicht mich der Verdacht, dass die Einnahmesituation der Stadtentwässerung Dresden GmbH an erster Stelle steht. Ein Bekenntnis zum sparsamen Umgang mit der Naturressource Wasser z.B. durch Förderung von Regenwassernutzung sucht man vergebens. Man kann auch erkennen, dass der Hebel zur Begrenzung der Flächenversiegelung ungenutzt bleibt. Spätestens beim nächsten Hochwasser hört man dann wieder, dass in der Vergangenheit zu viele Flächen versiegelt wurden.

Ich hätte mir gewünscht, dass Wassersparen belohnt und Flächenversiegelung bestraft wird. Die Stadtentwässerung Dresden GmbH scheint dieses Ziel nicht zu verfolgen.