Strategisch wählen zur Landtagwahl? Unbedingt!

Was bedeutet „strategisch wählen“?

Nun es gibt ja bekanntlich zwei Stimmen bei der Landtags– und Bundestagswahl. Die Zweitstimme legt das Stimmenverhältnis der Parteien im Parlament fest , die Erststimme wählt einen Kandidaten direkt in das Parlament.

Bisher hat in Sachsen die CDU fast alle Direktmandate erlangt. Das sah nach Automatismus aus und kaum jemand dürfte sich über seine Erststimme Gedanken gemacht haben. „Strategisch“ wäre es ja, einen Kandidaten zu wählen, der realistische Chancen hat obwohl man mit der Zweitstimme eine andere Partei bevorzugt.

Zur Landtagswahl 2019 in Sachsen sieht das völlig anders aus. Die CDU wird vermutlich eine hohe Anzahl an Direktmandaten verlieren, die meist an die AfD fallen könnten. Jetzt könnte man denken, mal wähle diesmal „strategisch“ mit der Erststimme die CDU um die AfD zu verhindern. Gut gedacht, stimmt nur nicht überall.

Nutzt das überhaupt jemand?

Das wurde bisher relativ wenig genutzt. Das freut zwar die Wahlhelfer, weil die Auszählung dadurch einen Ticken schneller geht. Es war auch aus den o.g. Gründen verständlich. Der Platzhirsch (CDU) hat das Direktmandant ja eh bekommen. Da kann man seine Stimme auch dem aussichtslosen Direktkandidaten seiner bevorzugten Partei geben. Als Unterstützung und Bestätigung für seinen Wahlkampf ist das ja auch sehr nett.

Landtagswahl 2014 im Wahlkreis 46 (Dresdner Westen)

Schaut man sich das Ergebnis der Landtagswahl 2014 im Wahlkreis 46 (Dresdner Westen ohne Cotta) an, fällt auf, dass bei LINKE und AfD vermutlich fast kein Wähler von der Möglichkeit des Stimmensplittings Gebrauch gemacht hat. Natürlich ist das nur eine Annahme. Es könnte auch ein dummer Zufall sein.

Landtagswahl 2014CDULinkeSPDGrüneAfD
Erststimmen34,2 %18,3 %18,0 %7,5 %9,3 %
Zweistimmen35,4 %17,8 %13,1 %9,1 %9,4 %
Abweichung (gerundet)-1,2 %0,5 %5,0%1,4 %0,0 %

Auffallend ist aber, dass die SPD deutlich mehr Erststimmen (+5%) gewinnen konnte als Zweitstimmen. Ich denke, das hat etwas mit der Popularität von Frau Eva-Maria Stange zu tun. Sie ist ja sehr aktiv im gesamten Wahlkreis und auch als Ministerin bekannt. Die Persönlichkeit überzeugt hier offenbar die Wähler, auch wenn sie die Zweitstimme dann einer anderen Partei geben. Leider tritt Frau Stange zur Landtagswahl 2019 nicht mehr an und ihre Nachfolgerin – Sophie Koch – kann die Lücke noch nicht schließen.

Nach dem Beispiel gehe ich davon aus, dass mindestens 5% der Wähler bereit sind „taktisch“ zu wählen. Dieses Mal hoffentlich sogar noch viel mehr. Doch reichen 5% im Wahlkreis 46?

Wahlkreisprognosen

Die Initiative Zukunftsachsen hat auf Ihrer Seite die Daten von Wahlkreisprognose.de gefiltert. Angegeben wird die Kandidatur, die abseits der AfD die größten Chancen haben soll. Dabei kann es sein, dass die AfD auf einem hinteren Platz oder ganz vorne ist. Das erfährt man hier nicht. An sich kann ich den Blogartikel hier enden lassen und auf folgende Tabelle von zukunftsachsen.org verweisen. Punkt.

Wahlkreiszukunftsachsen.org (Stand 30.08.19)
41Grüne, Valentin Lippmann
42CDU, Christian Piwarz
43Grüne, Henriette Mehn
44Grünen, Dietrich Herrmann
45Grüne, Thomas Löser
46CDU, Lars Rohwer
47Grüne, Susanne Krause

Mapping Europawahl 2019 auf Landtagswahlkreise

Doch wie kommt wahlkreisprognose.de zu solchen Aussagen? Man nehme bisherige Wahlen und fügt weitere Daten dazu und lässt einen Algorithmus arbeiten.

Ich mach das mal per Hand und komme tatsächlich zu ähnlichen Ergebnissen anhand der Europawahl 2019.

Die Stadt stellt die Ergebnisse der Wahlen auch als Excel-Datei zur Verfügung. Mappt man diese auf die Landtagswahlkreise, kommt man zu folgendem Ergebnis.

41424344454647
CDU18,9%21,7%18,5%19,9%16,2%18,1%15,9%
Linke11,6%11,4%12,1%12,4%15,5%11,5%13,9%
SPD7,5%8,5%9,2%9,0%8,7%7,7%8,0%
AfD18,0%25,6%19,5%19,2%14,8%23,2%18,6%
Grüne21,4%12,8%16,9%17,8%21,0%15,3%17,6%
FDP5,5%5,0%5,7%5,1%4,1%5,0%4,7%
Sonstige17,1%15,0%18,1%16,6%19,8%19,2%21,3%








Differenz
(1. Platz –
Grün)
0,0 %12,8 %2,6 %2,1 %0 %7,9 %1,0 %

Große Unsicherheit bei diesem Vergleich ist die hohe Zahl (bis zu 21,3%) der Stimmen für die „sonstigen“ Parteien. Bei der Europawahl gibt es keine 5%-Hürde. Bei der Landtagswahl aber schon. Vermutlich wird deshalb die Bereitschaft, kleine Parteien zu wählen, die vermutlich nicht in den Landtag einziehen werden, geringer sein.

Nimmt man diese Ergebnisse und sieht diese als Erststimmenergebnis an, so scheint im Wahlkreis 41 und 45 alles klar auf ein Grünes Direktmandant hinauszulaufen.

In den Wahlkreis 42 und 46 sind die Grünen weit davon entfernt. Das sind auch die zwei Wahlkreise, in denen die Dresdner Grünen kein Direktmandat erwarten. Im Wahlkreis 46 läge Herr Rohwer (CDU) CDU vermutlich aktuell auf Platz 2 in der Wählergunst. Geht man von den o.g. 5% strategischen Wählern aus, könnte es aber doch knapp für ihn reichen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall. Sowohl Herr Rohwer als auch Herr Harlaß (AfD) haben keinen Listenplatz. Dagegen ist die Grüne Kandidatin Lucie Hammecke relativ komfortable mit Listenplatz 9 über die Zweitstimme abgesichert.

In Wahlkreis 43, 44, und 47 ist es dagegen durchaus möglich, dass die Grünen das Direktmandat erlangen. In allen drei Wahlkreisen wäre hier die AfD vorne aber der Abstand der Grünen beträgt unter 2,6%. In 43 und 44 liegt allerdings noch die CDU dazwischen.

Fazit

So wird es kommen, dass ich meine Erststimme Herrn Rohwer (CDU) geben werde und meine Zweitstimme den Grünen. Das ist nicht meine Wunschkoalition aber es geht ja hier nicht um die Wahl einer Koalition sondern um die Vertretung des Wahlkreises im Landtag. Und da ist mir Herr Rohwer 1000 Mal lieber als ein AfD-Kandidat.

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Grüner Stadtbezirksbeirat, Software-Entwickler, Rad- und Bahnfahrer, Löbtauer seit 1998...

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